Angst überwinden

Fun Facts über Constanze Straub. Fotografin: Philine Bach

Dieser Angst habe ich mich gestellt

Wer meine „53 Fun Facts“ kennt weiß, dass ich ein Fan von Judith Peters bin. Ihre Blogideen sind grandios. Diesen Herbst hat sie wieder auf diverse Blogparaden aufmerksam gemacht und im Artikel auf spannende Bloggerinnen und deren Blogparaden verlinkt.

Darunter die Blogparade der sympathischen Shivani Vogt. Ich hatte bereits auf Xing mit ihr Kontakt und freue mich, Ihren Blog verlinken zu dürfen (hier der Link zu ihrer Blogparade). Ihr Thema: “Dieser Angst habe ich mich gestellt: 1 – 2 – 3, Angst vorbei!”

Die Angst, vor Menschen zu sprechen

Ängste sind weit verbreitet. Und es gibt die unterschiedlichsten Formen von Angst. Auch in meinem beruflichen Umfeld: Viele Kundinnen müssen erst ihre Angst vor der Technik überwinden. Die Angst, etwas an ihrer Website kaputt zu machen. Die Angst vor Überforderung.

Ich habe gelernt: Selbst Ängste, von denen ich viele Jahre beherrscht werde, kann ich überwinden. Ich muss nur die richtige Strategie finden. Dann finde ich Fähigkeiten, an denen ich vorher nie geglaubt hätte.

Davon erzähle ich hier.

Ich habe eine Angst, die mich schon ein Leben lang begleitet:
Die Angst, vor einer Gruppe mir fremder oder nicht vertrauter Menschen zu reden.

Als Mädchen und Jugendliche war diese Angst besonders schlimm. Solange ich mich erinnern kann, hab ich mich vor Menschen versteckt, damit ich nicht auffalle.

Auf einem Gruppenfoto einer Abschlußklasse stehe ich in der hintersten Reihe. Obwohl ich nur 162 cm klein bin. Alle Mädchen aus dieser Klasse stehen in den ersten beiden Reihen. Ich stehe als einziges Mädchen ganz hinten. In der rechten Ecke. Nur ein winziges Augenpaar und ein Scheitel sind zu sehen. Das war für mich typisch, denn ich wollte zwar „da“ sein, aber nicht gesehen werden.

Vor der Klasse ein Referat halten? Ich hab mich davor gedrückt, wo ich nur konnte. Ich war immer die Schüchterne. Die Stille. Diejenige, die kaum auffiel.

Und wenn der Lehrer oder die Lehrerin eine Frage gestellt hat, hab ich mein gesamtes Schauspieltalent aus der Schultasche gezogen: Irgendwie hab ich es geschafft, mich unsichtbar zu machen. Besondere Ich-bin-nicht-da-Raffinesse hab ich in den Fächern Mathe, Physik und Chemie entwickelt…

So hab ich mich irgendwie durchs Leben laviert.

Natürlich hat sich meine Scheu vor Menschen im Laufe der Jahre gelegt.

Aber eins blieb noch lange: Meine Angst, vor vielen fremden Menschen zu sprechen.

Allein der Gedanke daran, dass ich spreche und dabei von gleich sieben, acht oder mehr fremden Augenpaaren angesehen werde, macht mich nervös. Der Gedanke sorgt dafür, dass mein gesamter Bauch sich anfühlt wie ein nasser Schwamm, der mit Nägeln bespickt ist. Mein Magen schein sich zu einer Faust zusammenzuballen und den Körper verlassen zu wollen. Ich verliere die Stimme, habe keine Kraft mehr, meine Knie zittern, mein Kopf ist ein leerer Luftballon – das volle Programm.

Typisch Lampenfieber.

Panik auf der Bühne

Diese Angst potenziert sich zu einer wahren Panik, wenn die Anlässe der Reden offiziell sind. Wenn ich keine Fehler machen darf. Wenn ich allein auf einer „Bühne“ stehe.

„Bühne“ und „allein“ sind die Stichworte.

Nun wirst du zurecht fragen: Okay, wann hält man schon eine Rede? Wann muss man dazu so etwas wie eine Bühne betreten? Sind doch eher aussergewöhnliche Situationen. Wo also ist das Problem?

Stimmt.

Wenn man seine Schwäche kennt, kann man provozierenden Situationen aus dem Weg gehen. Man kann alles tun, damit man gar nicht erst in Situationen gerät, die man nicht beherrscht.

Was aber, wenn man der Situation nicht ausweichen kann?

Das ist mir passiert.

Warum? Ich bin 2015 zur 1. Vorsitzenden des BBK Lüneburg gewählt worden (Berufsverband bildender Künsterinnen und Künstler).

Wie ich dazu gekommen bin? Wie die Jungfrau zum Kind: Ich war zu der Zeit neues Mitglied im BBK Lüneburg. Die Position der 1. Vorsitzenden wurde frei und als neues Mitglied wurde ich gefragt.

Wie so oft in meinem Leben bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen. Ich fand die Aussicht verlockend, mit netten Menschen und tollen Künstlern zusammenzuarbeiten, vielleicht künstlerisch etwas bewirken zu können.

Also hab ich die Wahl angenommen.

Hätte ich damals gewußt, was auf mich zukommt: Ich hatte die Finger davon gelassen.

Meine Challenge: Reden halten

Denn eine der Aufgaben als 1. Vorsitzende war – traditionell: Einführungsreden halten auf den Ausstellungseröffnungen.

Und auf den Mitgliederversammlungen vor der Versammlung zu sprechen. Die richtigen Worte finden. Laut und deutlich reden.

Ausgerechnet ich!

Meine Arbeit als 1. Vorsitzende hab ich gut gemacht. Aber vor den Leuten sprechen? Das war absolut nicht meins. Und ich war davon oft genug gestresst. Ich glaube, ein souveränes und Vertrauen erweckendes Bild hab ich durch meine Unsicherheit nicht abgegeben.

Irgendwann geschah, was geschehen musste: Eine Panne während einer Rede. Ich sollte wieder eine Einführungsrede halten. An diesem Tag wollte ich es besonders gut machen. Ich wollte beweisen, dass ich es doch kann: reden.

An dem Tag brachte ein Kollege eine Verstärkeranlage und ein Mikrofon mit. Die Rednerinnen sollten also anders als sonst durchs Mikrofon sprechen. Allein das hat mich nervös gemacht.

Der Kollege wuselte hinter mir herum und fummelte an der Anlage.

Ich begann die Rede.

Dann ein schrilles, ohrenbetäubendes

Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieeehhhrrrrrrrr!

Eine Rückkopplung.

Das Blut schoß mir in die Beine.

Mein Kopf war leer.

Ich fing an zu stammeln.

Ich hatte das Gefühl, Blödsinn zu quatschen, „doof“ zu wirken.

Ich bin geflüchtet. Ich hab mich in die Stuhlreihen zum Publikum gesetzt, so schnell ich konnte.

Diese Situation war Stress hoch zehn für mich.

Später war mir klar: Nie wieder werde ich eine Rede halten.

Nie wieder.

Wie ich meine größte Angst überwunden habe

Ein Jahr später wurde ich von neuen Mitgliedern gebeten, als 1. Vorsitzende die Rede zu ihrer Ausstellung zu halten.

Ich hab mich geweigert. Eine liebe Kollegin wollte das für mich übernehmen.

Warum auch nicht? Wo zum Henker steht geschrieben, dass die Einführung unbedingt von der 1. Vorsitzenden gehalten werden soll? Gibt’s da ein Gesetz? Ist das ein 11. Gebot? Was soll dieser Dogmatismus – ausgerechnet von Künstlern…

Die neue Kollegin war enttäuscht.

Also hab ich mich überreden lassen.

Verdammt. Jetzt musste ich da durch.

Ich hab mir geschworen: Das kriegst du hin!

Und ich hab mich gefragt: „Constanze, warum hast du Angst davor, vor einer Gruppe von Menschen zu reden? Warum bist du da unsicher? Warum verlierst du auf der „Bühne“ die Fassung?“

Die Frage konnte ich mir ziemlich schnell selber beantworten: Mir fehlt die Übung.

Geübt hab ich bisher nie. Weil meine bisherigen Reden immer nur sehr kurz waren und ich mir dachte: Also, für so‘n Pippiekram muss ich doch wirklich nicht üben!

Immer wieder hatte ich mich überschätzt.
Und die Schwierigkeit von noch so kleinen Einführungsreden unterschätzt.

Warum sollte ich auch üben? Schließlich reden meine Kolleginnen völlig souverän. Das sieht immer so einfach aus. Das wirst du doch wohl hinbekommen!

Ein großer Fehler.

Weil jeder seine ganz eigene Baustelle hat.

Und natürlich hab ich alle möglichen Strategien angewendet, die da so im Umlauf sind:

„Stell dir vor, alle Leute sitzen in Unterhosen.“

Oder: Du musst richtig atmen.

Was ein Quatsch!

Genutzt hat das nie was.

Wenn man nur gelegentlich das macht, was einem Stress verursacht, nutzen auch die bestgemeinten Techniken nichts.

Es gibt eine viel bessere Strategie. Sie ist nicht neu, aber hocheffizient:

Üben, üben, üben.

Stichworte aufschreiben.

Reden üben.

Üben, üben und nochmals üben.

Üben, üben, üben

Das hab ich gemacht:

Ich hab auf einen Zettel geschrieben, was ich sagen wollte. Die gesamte Rede.

Dann hab ich die wesentlichen Stichworte aus den Sätzen oder Absätzen herausgeschrieben.

Denn ich wollte auf jeden Fall frei sprechen.

Ablesen war keine Option. Da kam wieder die Perfektionistin in mir durch.

Außerdem wußte ich: Bei der kleinsten Störung würde ich die Fassung verlieren, aus dem Konzept geraten, wenn ich die Rede nicht komplett im Kopf haben würde. Die Stichworte sollten nur als Krücke für den Fall des Falles dienen.

Wie der Regenschirm für den Spaziergänger.
Oder das Trampolin für den Akrobaten.

Die Stichworte habe ich so groß geschrieben, dass sie mindestens einen Zentimeter hoch waren. So konnte ich sie ohne Brille und sehr bequem lesen. Denn auch das war für mich sinnvoll: Dass ich ohne störende Lesehilfe mein Publikum gut im Blick hatte.

Außerdem hab ich den Worten verschiedene Farben gegeben. So hatte ich eine gute Orientierung und Strukturierung der Inhalte. Ich konnte meinen Zettel schnell „scannen“.

Mit diesem Zettel hab ich mich in der Wohnung vor den großen Spiegel gestellt. Unser Spiegel ist einen Meter achtzig hoch. Ich konnte mir also in voller Größe gegenüber stehen und hatte so den Eindruck, vor Publikum zu stehen.

Etwas Überwindung hat es mich gekostet, laut mit mir selber zu sprechen. 

Erst hab ich mich ständig verhaspelt. Musste immer wieder auf den Zettel blicken: Was war nochmal der nächste Punkt?

Irgendwann war ich so sicher mit der Rede, dass es anfing, Spaß zu machen.

Jetzt noch die Kür:

Die Rede brauchte etwas Leben.
Gestik, Betonungen, Pausen – all das hab ich zusätzlich geübt.

Schließlich hab ich „live“ geübt: Mein Mann war das Publikum. Das ist schon ein anderer Schnack, als mit seinem Spiegelbild zu sprechen.

Dann kam er:

Der große Auftritt.

Die Vernissage.

Die Rampensau

Die Rede sollte direkt im Ausstellungsraum stattfinden, nicht im Empfangsraum vor den Stühlen.

Das fand ich viel angenehmer.

Ich stand vor einer Gruppe von vielleicht 40 Menschen, die mich umringt haben. Alle standen. So waren wir auf Augenhöhe. Das Gefühl, dass mich ein Publikum beobachtet, war vor den stehenden Menschen geringer, als wenn ich vor 40 besetzten Stühlen stehen würde..

Mein Stehplatz war meine kleine Bühne.

Alles lief wie geschmiert.

Als ich beim letzten Wort meines Zettels angekommen war, stutzte ich kurz:

Was – schon fertig?
Ich würde aber gern weiterreden…

Das erste Mal in meinem Leben hab ich das Ende meiner Rede bedauert.

Am liebsten hätte ich weitergequatscht.

Ich bin zu einer Rampensau mutiert.

Die Ironie der Geschichte: Ein Jahr später habe ich den Vorsitz abgegeben. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ich nochmal eine Rede halten darf, ist ziemlich gering.

Egal. Ich habe meine Angst überwunden.

Dafür feiere ich mich noch heute.

Angst überwinden: Was ich daraus gelernt habe

Angst ist nichts schlimmes. Im Gegenteil: Die Natur hat das Gefühl der Angst „erfunden“, damit wir gefährliche Situationen meiden, die uns das Leben kosten können.

Die Angst, von einem großen Raubtier getötet zu werden, ist also sicher sinnvoll.

Jeder hat irgendwo irgendein Raubtier vor sich. Das ist unser evolutionäres Erbe. Dagegen können wir nichts machen.

Aber es gibt für fast jedes Raubtier einen Trick.
Ein Trick ist: Übung.

Dem Raubtier wieder und wieder in die Augen sehen.

Irgendwann ist uns das Raubtier vertraut und wir sind nicht mehr vor Angst erstarrt. Wir wissen, was wir bei einer Begegnung tun müssen.

Ich hab gelernt, wie und vor allem DASS ich meiner Angst begegnen kann.

Die Belohnung: Selbstvertrauen. Sicherheit.

Diese Belohnung ist unbezahlbar.

Lässt sich mein Erlebnis auf andere Ängste übertragen?

Ja.

Jeder hat die Möglichkeit, sich von Ängsten frei zu machen oder wenigstens zu lernen, mit ihnen umzugehen.

Diese Erkenntnis kann man auch auf andere irrationale Ängste anwenden.

Die Angst vor Technik ist ein Beispiel.

Wenn mir jemand sagt, dass er oder sie unsicher ist, mit WordPress umzugehen und die Website selber zu machen, dann steckt dahinter ebenfalls eine irrationale Angst.

Das heißt im konkreten Fall:
Wenn du unsicher bist und eine Scheu vor WordPress hast, dann hab ich diesen Tipp:

Hol dir eine wirklich gute Anleitung.
Eine, die du gut verstehst.

Und dann stell dich vor deinen Spiegel:

Schaffe dir eine Übungsumgebung.
Arbeite nicht an deiner richtigen Website.

Dort, in der Übungsumgebung, lernst du Schritt für Schritt.
Und du machst Fehler. Fehler sind wichtig, weil du daraus besonders gut lernst.
Kleine Schritte. Immer wieder.

Keine Angst vor Wiederholungen. Wenn du eine Seite oder eine Element gelöscht hast oder alles sieht plötzlich anders aus: Na und?

Fang von vorn an. Oder hol dein Backup zurück (ein Backup hast du immer parat). Oder noch simpler: deine Revision. Das ist eine gespeicherte ältere Version einer Seite oder eines Beitrags. Einfach Regler zurückschieben, Version auswählen, fertig.

Das ist in WordPress ganz einfach.

So wirst du immer sicherer.

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Fun Facts über Constanze Straub

Constanze Straub

Constanze Straub ist Webdesignerin und Expertin für visuelle Kommunikation. Seit 2 Jahren zeigt sie Coaches, BeraterInnen und Kreativen, wie sie ihre Website erfolgreich selber machen. Wenn Constanze Straub nicht am Mac sitzt oder an der Staffelei steht, heizt sie mit dem Fahrrad durch die Natur oder schmeißt silbergraue Stahlkugeln auf den Boulebahnen in und um Lüneburg.

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