Ein Website Konzept entscheidet darüber, ob eine Website Orientierung gibt oder verwirrt.Für mich als Webdesignerin heißt das: Das Konzept klärt für mich und für die Kundin die Struktur, das Angebot und die Zielgruppe. Bevor ich auch nur einen Gedanken an Gestaltung und Technik verliere.
Warum ein Website Konzept Stress vermeidet
Als ich vor über 20 Jahren zusätzlich zum Printdesign anfing, Websites für Kunden umzusetzen, musste ich erst einmal Lehrgeld zahlen. Ich habe intuitiv gearbeitet. Iterativ. Und ich dachte, das reicht.
Was brauche ich? Was habe ich? Eine kurze Skizze reicht doch. Die Idee und das Layout hatte ich im Kopf. Ein Konzept? Wieso das denn?
Blöd nur: Während ich schon an der Technik saß, kamen neue Design-Ideen. Dann fiel mir eine Textänderung ein. Oder der Kunde lieferte neue Texte. Ein Bild hier, ein Absatz dort. Und plötzlich passte die Struktur nicht mehr. Also zurück an den Code. Ich bin hin- und her gesprungen zwischen Inhalt, Gestaltung und Technik.
Ergebnis: Stress. Und Zeitverlust.
Heute weiß ich: Nicht die Technik war das Problem. Nicht das Design. Nicht einmal der Inhalt. Es fehlte die Architektur davor. Und genau das ist die konzeptionelle Grundlage.
- Es trennt Denkprozesse voneinander.
- Es bündelt Entscheidungen.
- Es schafft eine logische Reihenfolge.
Seitdem starte ich kein Projekt mehr ohne diese gedankliche Vorarbeit.
Ein Website Konzept ist die strategische Grundlage einer Website. Es legt fest,
- für wen die Seite gedacht ist,
- welche Inhalte im Mittelpunkt stehen und
- wie Besucher durch die Website geführt werden.
Stell dir vor, du möchtest dein Traumhaus bauen. Würdest du einfach zum Baumarkt fahren, wahllos Ziegel, Fenster und eine schicke Haustür kaufen und auf der grünen Wiese anfangen zu mauern? Wohl kaum. Du hättest vermutlich erst einmal einen Bauplan.
Genau das ist ein Website-Konzept. Es ist die gedankliche Vorarbeit, bevor das erste Design-Element gewählt oder die erste Zeile Programmcode geschrieben wird.
Was ist ein Website-Konzept eigentlich?
Ein Website-Konzept (oft auch Homepage-Konzept oder Website-Konzeption genannt) ist das Fundament deiner Seite. Hier klären wir die strategischen Grundlagen, lange bevor wir uns über Farben, Schriften oder technische Spielereien wie Pagebuilder Gedanken machen.
In dieser Phase stellen wir uns die wirklich wichtigen Fragen:
- Die Zielgruppe: Wer soll sich hier angesprochen fühlen?
- Die Zielgruppe bestimmt die Sprache: wissenschaftlich, sachlich, locker?
- Welche Inhalte stehen im Mittelpunkt?
- In welcher Reihenfolge sollen die Inhalte gesehen werden?
- Welche Fragen müssen in wenigen Sekunden beantwortet werden?
- Welche Informationen können später kommen?
Man kann ein Konzept nicht direkt sehen – so wie man das Fundament eines Hauses nicht sieht, wenn es erst einmal steht. Aber du merkst sofort, wenn das Konzept fehlt: Die Seite wirkt unruhig, die Botschaft schwammig, Bilder verwirren, Texte führen in die Irre – und der rote Faden fehlt völlig.
Website Konzept: Zwei Beispiele aus der Praxis, ein Vorgehen
Dass ein gutes Konzept nicht kompliziert sein muss, zeige ich anhand zweier bestehenden Websites, beide Kundinnen von mir. Es ist die Website von Chiara Rieß, Psychotherapeutin, die in Lüneburg eine Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie führt. Und von Susanne Möpert, sie ist Ernährungsberaterin für Frauen in den Wechseljahren. Bei beiden war die Zielgruppe klar. Und falls du jetzt denkst: Wozu brauche ich dann ein Website Konzept? Meine Antwort: Bei beiden musste ich genau hinschauen, wie Sprache und Konzept aussehen sollen, denn beide unterscheiden sich vollständig.
Auf den ersten Blick wirken beide Seiten fast schon radikal schlicht: Du findest dort keine Downloads, keine komplexen Verkaufs-Funnel, nicht einmal Blogartikel. Und genau diese Schlichtheit zeigt perfekt, was ein gutes Konzept eigentlich leistet. Es ist wie bei einem gut geplanten Bungalow: Alles ist auf einer Ebene, ohne Stolperfallen. Beide Websites funktionieren für ihren Zweck. Warum?

Warum „einfach machen“ hier nicht funktioniert hätte und wie das Website Konzept beim Aufbau hilft
Bei Chiara Rieß schien die Zielgruppe klar. Dennoch mussten wir uns Fragen stellen: Menschen, in diesem Fall Eltern, kommen oft mit einer großen Last an Sorgen auf die Website. Jugendliche dagegen spüren vielleicht eher Widerstand, Scham oder ziehen sich zurück. Kinder kommen vielleicht mit Ängsten. Die einen brauchen sofort Hilfe, die anderen wollen erst einmal ganz vorsichtig aus der Distanz gucken, wer da eigentlich hinter der Praxistür steckt.
Die richtigen Fragen, die wir für unser Website Konzept stellen:
- Wie bauen wir Vertrauen auf? Eltern und Jugendliche müssen sich sofort sicher fühlen. Wie erreichen wir das?
- Struktur: Wo ist die Praxis? Wie läuft das Erstgespräch ab?
- Was ist die Gewichtung der Website? Die Kontaktinformationen müssen so leicht zu finden sein wie der Lichtschalter neben der Tür.
Bei Susanne, der Ernährungsberaterin für Frauen in den Wechseljahren, klingt die Zielgruppe ebenfalls zunächst klar. Doch auch hier stelle ich weitere Fragen.
- Wie alt sind diese Frauen?
- In welchem Umfeld leben sie?
- Stehen sie mitten im Berufsleben oder in einer Phase des Umbruchs?
- Kommen sie mit akuten Beschwerden wie Schlafproblemen, Gewichtszunahme oder Hitzewallungen – oder suchen sie präventive Begleitung?
- Wollen sie medizinisch fundierte Erklärungen oder eher praktische, alltagstaugliche Lösungen?
Diese Differenzierungen entscheiden darüber, wie die Website später klingt, welche Beispiele gewählt werden, welche Begriffe wir verwenden und wie tief wir in konkrete Themen einsteigen. Eine berufstätige Frau, die zwischen Job, Familie und eigener Gesundheit jongliert, liest anders als eine Frau, die Single ist und Zeit hat, sich intensiv in Fachliteratur einzulesen.
Zielgruppe und Positionierung
Bevor wir also Farben und Schrift definiert haben, musste das Website-Konzept diese harten Nüsse knacken:
- Der erste Kontakt: Wer soll sich beim Öffnen der Seite als Erstes „gemeint“ fühlen?
- Die Atmosphäre: Wie schaffen wir es, über den Bildschirm eine Hand zu reichen und Vertrauen aufzubauen?
- Die Sprache: Wie viel Fach-Chinesisch ist nötig, um Kompetenz zu zeigen, und wie viel Gefühl brauchen wir, um die Menschen wirklich zu erreichen?
Der Realitätscheck: was die Mitbewerber sagen
Nachdem die Zielgruppe geklärt ist, schaue ich zur Seite: die Mitbewerber. Nicht um zu kopieren, sondern um das Spielfeld zu verstehen, auf dem sich meine Kundinnen bewegen. Denn jede Branche hat ihre unausgesprochenen Regeln, die sich auf Websites spiegeln.
Bei der Ernährungsberaterin heißt das konkret: Ich google „Ernährungsberatung Wechseljahre“, „Ernährungsberaterin Hormonbeschwerden“, auch regional. Ich sehe mir an, wer gut sichtbar ist, wie diese Websites aufgebaut sind und welche Sprache dort gesprochen wird.
Muster erkennen
Sehr schnell erkenne ich Muster. Bestimmte Begriffe tauchen immer wieder auf: „ganzheitlich“, „nachhaltig“, „natürlich“, „im Einklang mit deinem Körper“. Das sind keine falschen Begriffe – aber wenn alle sie verwenden, werden sie beliebig, austauschbar. Auch die Bildwelt wiederholt sich: lachende Frauen mittleren Alters, Kräuter, Teetassen, viel Grün.
Passt unsere definierte Zielgruppe in dieses Bild – oder setzen wir bewusst einen anderen Akzent? Wenn alle weich und „wohlfühlig“ auftreten, kann es sinnvoll sein, stärker auf Klarheit und Struktur zu setzen. Mit einer eindeutigen Positionierung machen wir konkrete Türen auf und laden bewußt nur bestimmte Frauen ein. Die Positionierung ist dann kein Zufall, sondern eine bewusste Entscheidung.
Suchbegriffe finden
Aus denselben Fragen ergeben sich später auch die Suchbegriffe: Wer nach „Schlafprobleme Wechseljahre“ statt nach „Ernährungsberatung“ sucht, formuliert sein Problem anders als seine Lösung. Die Sprache der Zielgruppe ist die Sprache, mit der sie auch bei Google sucht.
Auch bei Chiara war der Blick auf andere Praxen Teil der Vorarbeit. Wie treten andere Therapeutinnen in Lüneburg mit ähnlichen Angeboten auf? Die Therapeutinnen-Websites in Lüneburg, die wir uns angesehen haben, zeigen ähnliche Elemente: ruhige Praxisbilder, damit Patienten auf die jeweiligen Praxisräume eingestimmt werden, und eine Farbgebung, die Ruhe und Zuversicht ausstrahlt. Diese Parallelen übernehmen wir bewusst, weil sie funktionieren.
Differenzierung durch Bildsprache
Der Unterschied liegt woanders: Chiara hat sich auf ihren Fotos bewußt für eine legere Kleidung entschieden, anders als auf vergleichbaren Seiten üblich. Kein Business-Kostüm, das auf Kinder eher distanziert wirken könnte. Außerdem haben wir auf der Startseite ein Foto eingesetzt, das sie zusammen mit einem Kind abbildet (von hinten fotografiert). Damit zeigt sie das aufmerksame, zugewandte und verstehende Gespräch mit dem Kind, wichtig für die Vertrauensbasis. Gleichzeitig weiß die Besucherin: Hier geht es um mein Kind.
Ziel und Funktion mit dem Website Konzept bestimmen
Bevor ich über Seiten spreche, kläre ich mit meiner Kundin zuerst eine grundlegende Frage: Wofür ist diese Website eigentlich da?
Das klingt banal. Ist es aber nicht. Viele antworten spontan: „Na ja, ich will gesehen werden.“ Oder: „Ich möchte Informationen bereitstellen.“ Ich frage weiter, welche Seiten wir brauchen, wie wir Inhalte gewichten, welche Angebote im Zentrum stehen, und welche Handlung am Ende vorbereitet wird.
Ohne diese Klarheit könnte ich später ein schönes Layout bauen – aber keine Website, die gezielt arbeitet und unternehmerisch funktioniert. Die Website ist kein Selbstzweck. Sie hat eine Aufgabe. Und diese Aufgabe definieren wir, bevor irgendetwas gestaltet wird.
Bei Chiara war die Aufgabe glasklar: Vertrauen aufbauen, und zwar bei einer Zielgruppe, die mit großer Sorge oder mit Scham auf die Seite kommt. Kein Blog, keine Downloads, keine Marketingsprache – die Funktion dieser Website ist ausschließlich, Sicherheit zu vermitteln und den ersten Kontakt zu erleichtern.
Anders Susanne: Sie wollte nicht nur ihre unterschiedlichen Angebote zeigen, sondern vor allem einen Newsletter integrieren, damit sie über ein Geschenk an ihre Kundinnen (dem sogenannten „Freebie“) neue Kundinnen gewinnen kann.

Struktur und Navigation im Website Konzept klären
Die Struktur einer Website verständlich planen
Struktur bedeutet: Hierarchie schaffen. Bei beiden Websites ist die Navigation bewußt reduziert gehalten.
Bei Chiara haben wir uns gefragt: Was muss nach ganz links, was ist zweitrangig? Für Eltern ist die Frage nach den „Kosten & Ablauf“ oft zentral. Dieser Punkt stand in der ersten Überlegung noch auf der Startseite. Bis uns klar wurde: Nein, „Kosten & Ablauf“ ist von zentraler Bedeutung und muss deshalb in die Navigation. Und zwar an einem prominenten Platz relativ weit links.
Die Hierarchie der Website beginnt nämlich schon beim Menü: Welcher Menüpunkt gehört an erste oder zweite Stelle? Welcher kann ganz nach rechts (in unserer westlichen Kultur lesen wir von links nach rechts). Und wohin gehören Menüpunkte, die den Besucher zunächst nicht interessieren, wie das Impressum?
- Welche Inhalte sind zentral, welche untergeordnet?
- Wie hängen die Seiten logisch zusammen?
- Gibt es Inhalte, die über ein Untermenü erreichbar sein können?
- Ist ein komplexes Menü nötig oder ist eine radikale Reduktion sinnvoller?
In der Hauptnavigation auf Chiaras Website finden wir nur sechs Punkte: Start, Psychotherapie, Kosten & Ablauf, Yoga, Über mich und Kontakt. Keine verschachtelten Untermenüs, in denen man sich wie in einem Raum mit 6 Türen verloren fühlt.
Gerade bei sensiblen Themen ist Klarheit das wichtigste Fundament. Zu viele Wahlmöglichkeiten erzeugen Unsicherheit – und wer unsicher ist, verlässt die Website wieder. Jeder Bereich der Website hat eine klare Aufgabe:
- Psychotherapie erklärt, wie gearbeitet wird.
- Kosten & Ablauf sorgt für das sichere Gefühl, zu wissen, was auf einen zukommt.
- Yoga ist ein schöner Bonus, der aber sauber auf einer eigenen Seite steht.
- Über mich gibt der Besucherin die Gelegenheit, der Therapeutin virtuell die Hand zu schütteln.
- Kontakt ist die offene Tür, durch die man leicht eintreten kann.
Diese Ordnung ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis intensiver Überlegungen.
Susannes Navigation ist sogar um einen Punkt schlanker: Start, Mit mir arbeiten, Über mich, Kontakt. Auch das war eine bewußte Entscheidung. Sie hat all ihre Angebote auf der Seite „Mit mir arbeiten“ untergebracht. Hier kann die Besucherin sofort mit ihr Kontakt aufnehmen und findet die Angebote übersichtlich auf einer Seite, ohne klicken zu müssen.
Da alle Angebote ineinander greifen, konnten wir hier auf Untermenüs verzichten und sie so überschaubar halten. Die Buttons führen zu ihrer Mailadresse oder zu einem Online-Kalender. Ihr Ziel: Newsletter-Leserinnen gewinnen. Wenn diese groben Inhaltsbereiche feststehen, beginne ich mit der eigentlichen Strukturarbeit: Welche dieser Inhalte gehören in die Hauptnavigation? Was ist zentral, was untergeordnet?
Websitestruktur und Informationsarchitektur visualisieren
Nun sind die Ziele und die Zielgruppe klar. Beide Kundinnen hatten erste Textfragmente, aus denen hervorging, was wo wie auf den einzelnen Seiten verteilt wird. Um die Verteilung der Text zu visualisieren, gehe ich oft ganz oldschool vor: mit Farbstift auf Papier.
Ich arbeite bewusst analog. Auf Papier sehe ich die gesamte Struktur auf einen Blick. Ich kann Bereiche einkreisen oder streichen, ohne dass ich in einem Programm in Ebenen und Module denken muss. Die Zusammenhänge erschließen sich mir so viel unmittelbarer. Außerdem arbeite ich in dieser Phase noch eng mit den Kundinnen zusammen.
Websitestruktur ausdrucken
Tipp: Die gescrollte Website auf Papier
Manchmal baue ich mir sogar eine ganze Webseite aus Papier zusammen: Wenn einzelne Textfragmente einigermaßen klar sind, drucke ich sie aus. Gerade mit der Startseite kann so eine Arbeit sinnvoll sein, denn die Startseite ist anderes als andere Seiten viel modularer und aus unterschiedlichen Bereichen aufgebaut. Ich schneide also die einzelnen Absätze aus, lege sie auf den Boden oder Tisch und verschiebe sie, bis die Reihenfolge stimmt. Danach klebe ich sie untereinander zusammen, bis eine „gescrollte“ Website entsteht.
Warum das sinnvoll sein kann: Am Bildschirm siehst du immer nur einen Ausschnitt. Das kann verwirren oder dazu führen, dass man Teile übersieht. Man scrollt in der Seite nach unten und vergißt, was denn nun oben stand. Hab ich alles schon erlebt. Auf dem Boden siehst du alles auf einmal. Das kann vor allem bei der Startseite helfen, die Übersicht zu behalten und alle wesentlichen Punkte einzuordnen.
Informationsarchitektur bedeutet für mich, Ordnung in Inhalte zu bringen. Eine klare Hierarchie zu schaffen. Besucherinnen sollen intuitiv verstehen, wo sie sich befinden, was wichtig ist, wie sie weiterkommen und wie sie Kontakt aufnehmen.
Zwei Websites bei unterschiedlichen Angeboten
Anders als bei Susanne, die in ihrem Angebot mit Kochkursen und Ernährungsberatung in einem Themenbereich bleibt, sieht das bei Chiara anders aus: Sie ist neben ihrer Expertise als Psychotherapeutin ausgebildete Yogalehrerin und bietet regelmäßig Yoga-Retreats an.
Damit beide Bereiche nicht verschwimmen, hat sie einen anderen Weg gewählt: zwei Websites. Für ihr Yogaangebot habe ich ihr einen Onepager erstellt auf einer Subdomain. Dort finden Besucher ihre Yogatermine. Auf der Website für Psychotherapie wird ihr Yogaangebot ebenfalls erwähnt, da sie Yoga als therapeutisches Mittel anbietet. So bedient sie zwei Zielgruppen: Die Frauen (und Männer), die gern Yoga ausüben und ihre Patienten, die sie mit Yogaübungen therapeutisch unterstützen kann. Auch das ist eine Struktur-Entscheidung: was zusammengehört, und was besser getrennt bleibt.
Was die Trennung bewirkt hat
Die Trennung der beiden Bereiche Psychotherapie und Yoga ermöglichte, dass wir ihr Yogaangebot gezielt optimieren und bewerben konnten. Über Mundpropaganda wurde ihr Angebot mit den Yogaterminen weitergegeben und hatte auch neue Frauen angesprochen. Das Ergebnis: Über ihre Yoga-Website schreibt Chiara Rieß: „5 x mehr Yogaanfragen seit dem Launch der Website.“
Wie sich das Website Konzept in der Sprache zeigt – das Ergebnis einer gelungenen Planung
Bei Chiara war der Startseitensatz eine Herausforderung: Sie darf keine Heilversprechen machen, möchte ihre Patienten aber dennoch mit einer emotionalen Sprache abholen. Und ein „Herzlich Willkommen“ wäre Platzverschwendung. Auch hier war unsere erste Überlegung: Wie geht es den Besucherinnen und Besucher ihrer Website? Was ist ihr Problem? Mit welchen Sorgen suchen sie eine Psychotherapeutin für ihr Kind?
Meine Überlegung: Was geht in einem Menschen vor, der eine psychische Last trägt? Wie fühlen sich Eltern, die sich Sorgen um ihr Kind machen? Was beobachten Eltern an ihren Kindern, wenn es sich anders verhält als sonst? So überlegte ich einen Satz für die Startseite und damit den Türöffner für Chiaras Besucher: „Wenn Lachen stiller wird“. Eine besorgte Mutter könnte sich angesprochen fühlen und denken: „Stimmt, mein Sohn lacht viel seltener als früher.“ Das Konzept gibt hier die Richtung vor: Erst bauen wir eine menschliche Verbindung auf, danach liefern wir die sachlichen Fakten.
Fachbegriffe nur gezielt und sparsam einsetzen
Auf der Seite „Psychotherapie“ finden sich Fachbegriffe wie EMDR oder I.B.T. Aber sie erschlagen niemanden. Chiara zeigt Fachkompetenz, aber wir übersetzen sie in eine Sprache, die Eltern auch dann noch verstehen, wenn sie vor Sorge kaum einen klaren Gedanken fassen können. Auch bei „Kosten & Ablauf“ war uns absolute Klarheit wichtig. Erstgespräch, Dauer, Honorar – alles ist schnell zu finden.
Bei der Ernährungsberaterin zeigt sich dieselbe Konzept-Entscheidung im Text. Viele Texte auf Websites entstehen aus der Perspektive: „Was kann ich?“ Ich frage stattdessen: „Was braucht deine Kundin, um das Gefühl zu haben, verstanden zu sein?“
Auch hier suchen wir wieder die Probleme der Besucherinnen, um die richtige Sprache zu finden. Was quält Frauen in den Wechseljahren besonders häufig? Vier von Fünf Frauen in dieser Phase kennen Hitzewallungen, viele Frauen kennen Kopfschmerzen oder Schlafmangel aus eigenem Erleben. Und wer kennt nicht Filmszenen, in denen Frauen am Handtrockner ihre Achseln trocknen.
Gerade Hitzewallungen können bei Frauen zu einer einschlägigen Erfahrung werden. Körperliche Reaktionen werden als noch unangenehmer wahrgenommen, wenn die Frauen davon in der Öffentlichkeit überrascht werden und sich dem völlig ausgeliefert fühlen. Mein Vorschlag: „Stell dir vor, du bist im Meeting, und die Bluse bleibt trocken.“ Nicht allgemein „Ernährungsberatung“, sondern eine konkrete Situation, die sofort verstanden wird – genau wie bei Chiara zuerst das Gefühl, dann die Fakten.
Und das möchte ich all meinen Kundinnen und Kunden mitgeben: Fühle dich in die Haut der Menschen ein, die du ansprechen möchtest mit deiner Website.
Ein wichtiger Teil im Website Konzept: die Bildsprache
Auch das Bildkonzept folgt dieser Logik. Deshalb denke ich von Anfang an die Bilder mit.
Ich notiere mir früh, welche Atmosphäre entstehen soll. Für die Ernährungsberaterin heißt das: Stockfotos nur dann, wenn sie eine Alternative bieten zu selbst fotografierten Bildern. In ihrem Fall wollten wir die Zutaten für eine gesunde Ernährung mit Appetit machenden Fotos zeigen, mit Fotografien von frischen Gemüse vom Markt. Die Fotos setzen ein wichtiges Signal: Wohlfühlen beginnt bei der richtigen Ernährung. Ich bin gegenüber Stockfotos eher skeptisch. Dennoch ist hier ein Fall, in dem wir sie – gut gewählt – auf der Startseite einsetzen können.

Auf der Seite „Über mich“ gibt es einen Absatz zu Problemen in der Lebensmittelindustrie. Susanne hat viele Jahre in der Lebensmittelbranche gearbeitet und weiß, was dort gut und was dort schief läuft. Deshalb war es ihr wichtig, auch mal Dinge beim Namen zu nennen. Die Bilder zu diesem Abschnitt sind ebenfalls Stockfotos, doch sie illustrieren diesen Themenbereich sinnvoll, ohne wie Fremdkörper zu wirken.
Alle anderen Bereiche, in denen es um sie und um ihre Beratung geht, zeigt sie mit Fotos, für die sie eine professionelle Fotografin beauftragt hat. In dieser Fotosession ist sie planvoll vorgegangen: Die Fotografin fotografierte sie in verschiedenen Beratungssituationen, am PC arbeitend und auf dem Markt, während sie frisches Obst und Gemüse einkauft.

Chiaras hatte sich von einer Freundin fotografieren lassen zusammen mit einer ihrer Töchter. Dadurch sind lebendige Gesprächssituationen entstanden, die genau das transportieren sollen, was ihr wichtig ist: Der lockere, ungezwungene Zugang zu ihren jungen Klienten.
Als ausgebildete Fotografin sehe ich das besonders deutlich.
- Ein Bild kann Atmosphäre schaffen.
- Es kann Nähe herstellen.
- Es kann Professionalität zeigen.
- Falsch gewählt kann es aber die Aussage verwischen.
Website Konzept vs. Sitemap vs. Website Strategie
Diese Begriffe werden oft in einen Topf geworfen, dabei haben sie ganz unterschiedliche Aufgaben im Bauplan:
| Begriff | Worum geht es? | Das Ziel |
|---|---|---|
| Website Konzept | Struktur, Gewichtung, Besucherführung | Klarheit |
| Sitemap | Reine Liste aller Seiten | Orientierung |
| Website Strategie | Das „Warum“ hinter der Seite | Geschäftliches Ziel |
Stell es dir so vor: Die Strategie beantwortet die Frage, warum du überhaupt baust (wohnen oder arbeiten?). Die Sitemap ist die Liste der Baumaterialien. Und das Konzept ist der architektonische Plan, der festlegt, in welcher Reihenfolge man die Räume betritt.
Ohne Strategie fehlt die Richtung, ohne Konzept herrscht Chaos in der Bude.
Welche Bestandteile gehören in ein Website Konzept?
Ein Konzept ist keine bunte Zeichnung, sondern ein Paket aus bewußten Entscheidungen:
- Zielgruppe: Wer steht vor der Tür und was brennt diesen Menschen auf der Seele?
- Kernangebot: Was ist das Herzstück und was ist nur Beiwerk?
- Struktur: Welche Seiten brauchen wir wirklich, um die Geschichte zu erzählen?
- Tonalität: Reden wir förmlich im Anzug oder einfühlsam auf Augenhöhe?
- Transparenz: Wo finden die Besucher die Infos, die ihnen die Angst vor dem nächsten Schritt nehmen?
Wie umfangreich ist ein Website Konzept – und wie lange dauert es?
Ein Website-Konzept ist kein 30-seitiges Werk. Bei einer kleinen Website reicht oft eine Handvoll Notizen und eine Skizze auf Papier. Entscheidend ist nicht die Seitenzahl des Dokuments, sondern die Klarheit im Kopf.
Je verzweigter das Angebot, je mehr Zielgruppen oder je komplexer die Struktur, desto mehr Zeit braucht die Vorarbeit. Diese Zeit zahlt sich aus: Sie erspart dir später endlose Korrekturschleifen und teure Umbaumaßnahmen an der fertigen Website.
Typische Fehler bei der Website-Konzeption
Oft wird versucht, es jedem recht zu machen. Das sieht man der Website an:
- Alle sollen angesprochen werden.
- Nebenangebote werden gleichrangig platziert.
- Die Startseite wird überladen.
Oder das Design wird vor der Struktur entschieden. Was immer dann passiert, wenn man fertige „Branchen-Layouts“ für seine Website wählt. Dann werden die Inhalte dem Design angepasst, obwohl sie vielleicht ein völlig anders Umfeld brauchen, weil die Aussage des Textes von einem anderen Design besser unterstützt werden würde.
Was ich auch oft sehe: Ausgerechnet die Startseite enthält zu viele Informationen und Grafiken. Das führt dazu, dass den Besuchern nicht klar ist, was eigentlich wichtig ist. Oder sie brauchen zu lange, um die für sie relevanten Informationen zu finden. Das Ergebnis wirkt unruhig – nicht weil die Designerin gepatzt hat, sondern weil das Fundament wackelt.
Fazit: Was ein gutes Website Konzept ausmacht
Ein Website Konzept ist kein theoretisches Dokument für die Schublade. Es ist die unsichtbare Architektur, die deine Besucher leitet. Im Beispiel der Therapeutin sehen wir: Die Ruhe und Klarheit der Seite ist kein Zufall des Designs, sondern das Ergebnis von Planung.
Nach dem Konzept folgt die Umsetzung. Das heißt: Wie aus dieser Struktur fertige Texte, Design und eine technische Website werden, beschreibe ich in Website erstellen lassen: Mein Ablauf von Text bis Launch, wieder am Beispiel der Ernährungsberaterin Susanne.

Sehr treffender Vergleich mit dem Hausbau! Als Webdesigner für Handwerker und Gesundheitsberufe erlebe ich täglich, wie wichtig diese Planungsphase ist. Viele meiner Kunden kommen mit dem Wunsch „Ich brauche eine Website“ – aber ohne klare Vorstellung, wen sie damit erreichen wollen.
Besonders bei Handwerksbetrieben zeigt sich: Eine Website für Privatkunden braucht andere Inhalte und Navigation als eine für B2B-Aufträge. Das Konzept klärt solche Weichenstellungen vorab und spart später viel Zeit und Kosten.
Deine Punkte zu Zielgruppe und Nutzerführung kann ich nur unterstreichen. Ein durchdachtes Konzept verhindert auch, dass während der Umsetzung ständig nachgebessert werden muss. Das schätzen gerade pragmatisch denkende Handwerker sehr.
Danke für die strukturierte Aufbereitung – das wird vielen bei der Vorbereitung ihres Website-Projekts helfen!